Themen: Sicherheit, Sicherheitsfaktor
Über Ihre Sicherheit in Detroit werden Sie spätestens dann das erste Mal nachgedacht haben, wenn Ihre europäischen Freunde ungläubig gefragt haben, ob Sie wirklich nach Detroit ziehen... Und einige Familienmitglieder melden vielleicht auch Zweifel an, ob das Leben in Detroit nicht doch viel zu gefährlich wäre.
Hier einmal ein paar Grundbemerkungen zur Sicherheit in Metro Detroit:
Die City of Detroit ist eine arme, heruntergekommene, teilweise abgebrannte Ruinenstadt, in der weniger als die Hälfte der Bevölkerung lebt, für die diese Stadt von der Zahl der Gebäude her ausgelegt ist. Der Anteil der schwarzen Bevölkerung liegt bei weit über 90 % und das durchschnittliche Monatseinkommen eines Einwohners zahlen die Einwohner von Rochester Hills für´s Rasenmähen. Kommen Sie das erste Mal in die City of Detroit, wird Ihnen vermutlich vor Angst das Herz in die Hose rutschen. Sie sehen abgebrannte Häuser, unheimliche herumlungernde Gestalten, qualmende Gullys und im Winter auch brennende Mülltonnen als Wärmequelle. In den lokalen Nachrichten hören Sie von drive-by-shootings im Eastend, von Polizistenmorden und Bränden.
Wenn Sie dann das fünfte Mal in die City fahren, werden Sie die ersten Nuancen wahrnehmen. Nicht jede Gegend ist wirklich schlecht, nicht jeder Schwarze in abgewetzter Kleidung will Sie gleich umbringen und auch die Schrottautos, die Sie überholen, sind gar nicht mehr so ungewöhnlich.
Fahren Sie dann das zehnte oder auch das zwanzigste Mal in die City, sehen Sie an den Straßenecken endlich die Hausfrauen beim Einkaufen, die Kinder in Schuluniform auf dem Heimweg, die Schaukel im Hinterhof und die frische Farbe an einem Haus. Sie sehen Feuerwehrleute vor Ihrem Geräteschuppen in der Sonne sitzen, einfache, gepflegte Golfplätze und viele freundliche Menschen. Dann haben Sie es endlich geschafft - Willkommen in Detroit.
Aber Sie müssen schon hinfahren - immer wieder. Denn leben werden Sie in Detroit selbst nicht, auch wenn Sie der Einfachheit halber sagen, Sie "ziehen nach Detroit". Sagen Sie das nicht zu einem Amerikaner - der glaubt Ihnen das und hält Sie für verrückt. Detroit ist die City of Detroit, nicht mehr und nicht weniger. Das ist so, als ob Sie in Mainz oder Wiesbaden wohnen und sagen, Sie wohnen im Frankfurter Bahnhofsviertel. Das ist nicht egal, auch wenn beides im Rhein-Main-Gebiet liegt. Und das Bahnhofsviertel ist hier eben einige Quadratkilometer größer...
Wohnen werden Sie in einer "guten Gegend", einer Suburb im Speckgürtel von Detroit wie Rochester Hills, Novi, Auburn Hills oder Troy, in Birmingham, Beverly Hills, Farmington Hills oder Bloomfield Hills. Sie werden in einer ruhigen, sehr gepflegten Gegend wohnen mit großen, gepflegten Parks, mit Restaurants, Malls, Cafes, Spielplätzen, Kindergärten und allem, was man sonst so braucht. Sie werden sich weder nachts verbarrikadieren müssen noch eine Waffe im Haus haben müssen, denn der einzige nächtliche Besuch wird ein Skunk sein, der Ihre Mülltonne nach Essbarem durchsucht. Sie werden Ihre Familie absolut beruhigt und in Sicherheit alleine lassen können, wenn Sie auf Dienstreise gehen. Sie werden auf der Straße auch weder angebettelt noch überfallen werden.
Schwarze Amerikaner werden Sie in Ihrer eigenen Nachbarschaft, im Kindergarten und im Supermarkt leider vielleicht überhaupt nicht zu sehen bekommen, denn Metro Detroit ist tatsächlich eines der wohngebietsmäßig am krassesten segregierten (rassen-getrennten) Gebiete in den gesamten USA. Verwechseln Sie diese - sicherlich nicht wünschenswerte - Situation trotzdem bitte nicht mit Diskriminierung; diese räumliche Trennung ist maßgeblich begründet durch das massive Einkommensgefälle und die unterschiedlichen Bildungsmöglichkeiten, nicht (mehr, muß man wohl sagen) durch Rassenhaß. Natürlich gibt es auch hier ein paar Idioten jeglicher Herkunft, die beliebig Eigenschaften an der Hautfarbe festmachen - aber warum sollte es hier anders sein als zu Hause. Am Arbeitsplatz setzt sich diese Segregation nicht fort und Sie werden im täglichen Leben wahrscheinlich nur selten, wenn überhaupt, Spannungen im gemeinschaftlichen Miteinander der verschiedenen Gruppen bemerken.
Zurück zum Thema Sicherheit:
Ja, in Detroit selbst müssen Sie vorsichtig sein. Aber das waren Sie bei Ihrem letzten Besuch in Amsterdam auch, nicht? Südlich der 10 Mile Road, spätestens jedoch südlich der 8 Mile Road hört der Spaß auf und wenn Sie sich nicht auskennen, können Sie auch mal in eine Gegend kommen, in der Sie mit Ihrem Cadillac keine Panne mehr haben wollen. Das heißt nicht, daß Sie südlich der Achten nichts mehr zu suchen haben - im Gegenteil, da fängt Detroit ja erst an. Tagsüber müssen Sie sich schon wirklich anstrengen, in eine "Problemzone" zu kommen. Nach Einbruch der Dämmerung sollten Sie aber nicht mehr ohne Ortskenntnis dort herumfahren. Ich werde Ihnen baldmöglichst mal einen Plan abseits der Hauptverkehrsstraßen hier vorstellen, den Sie zwischen der Riverfront und der 10 Mile Road abfahren können. Sie sollen ja die sehenswerten Ecken von Detroit auch wirklich sehen - und die gibt es in der Tat.
Der "Sicherheitsfaktor": Darüber hinaus werde ich Ihnen aber jedes Mal, wenn ich Ihnen hier einen Tip für Ausflüge, Besichtigungen etc. in der City of Detroit gebe, einen "Sicherheitsfaktor" dazuschreiben (ein besseres Wort fiel mir nicht ein). Dann haben Sie gleich eine Idee, ob und warum Sie sich da hin trauen sollten, obwohl "das doch bestimmt eine ganz üble Gegend ist".